Glockengießen!

Und das schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Denn seitdem
gibt es uns, Michelle Records, Hamburgs ältester Fachhandel für Tonträger aller Art. Angefangen hatte alles 1977 am Glockengießerwall - einer gut klingenden Adresse für Musik. In England war gerade Punk am Toben und in Hamburg war es Zeit an einen Plattenladen zu denken, der mal genau so eine Musik führen wird. Nicht nur Punk, man wollte schließlich auch leben, aber vor allem auch. Gerade das war neu, wichtig und gut. Bald darauf erfolgte der Umzug an den Gertrudenkirchhof, wo Michelle Records heute noch auf 150 m² und im wechselnden Schatten der großen Kaufhäuser residiert.

VEB Michelle

Das gilt für uns erst recht nach der Wende. Die fand für Michelle nämlich
im März 2000 statt, nachdem unser Vorbesitzer in Konkurs gegangen war. Seitdem sind wir back to the future und nennen uns "VEB Michelle GmbH". In der DDR hieß VEB "volkseigener Betrieb" und das ist Michelle auch - in gewisser Weise. Wir, Stefan Wulf, Christof Jessen und Ralf Bittermann, sind das Volk oder zumindest die, die nach der Insolvenz nicht tatenlos zusehen wollten wie ein Traditionsladen die Alster runter geht. Also haben wir das Ruder übernommen, das wir so schnell auch nicht wieder abgeben wollen.

Heute!
Persönlicher Geschmack und musikalische Leidenschaft zeigen uns dabei den Weg. Und manchmal lassen wir uns den auch gerne von anderen zeigen. Seit Jahren finden Bands, die wir mögen, bei uns eine trockene Bühne, eine gute PA, ausreichend Naschwerk und jede Menge offene Ohren.

Mit unseren regelmäßigen "Schaufensterkonzerten" haben wir Michelle in den letzten Jahren weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt machen können. Bands wie u.a. The Go-Betweens, Madrugada, Giant Sand, Tito & Tarantula, Fink und Calexico spielten hier bereits im Schaufenster - ein Sampler mit Aufnahmen dieser Auftritte ist auch schon in Planung. Wo der exklusiv zu kaufen sein wird? Gute Frage!

Morgen ...

Dieses Wort gehört zu denen, die in der Schallplattenbranche nicht mal mehr die ganz Grossen gerne aussprechen.
Und das kommt nicht von ungefähr. Exorbitant hohe Einkaufspreise, gecastete `Künstler`, und ein zum Teil schon absurd anmutender Verdrängungswettbewerb zwischen den gerade angesprochenen Grossen der Branche, machen es nicht eben leichter, die Leute für (bezahlbare) Alternativen zum Einheitsbrei zu interessieren.

Wir sind uns allerdings sicher, auch in Zukunft einen Laden gestalten zu können, in dem es neben dem Umsatz auch immer darum gehen wird, einer Musikkultur, die sich abseits der Massenmedien und Unterhaltungskonzerne ereignet, einen Platz zum Atmen zu geben.

Denn davon leben wir.